Das Buch - Lädchen
 

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Das Buch-Lädchen

 Leseprobe Liebesroman Teil 1


Amors Pfeile verfliegen sich mitunter, doch stets mit Bedacht Liebesroman Teil 1

Diese Erzählung ist frei erfunden, samt der in ihr verwendeten Namen, auch in Bezug auf die Örtlichkeiten.

©Alle Rechte vorbehalten Sabine Heilmann 2017

Inhaltsangabe 1. Die namenlose Frau  2. Das Interview  3. Lebendig  4. Brain-Stürme  5. So irdisch anstrengend  6. Alte und neue Luftschlösser  7. Eine ganz andere Welt  8. Druck(festigkeit)  9. Hin- und Hergerissen 10. Ein Ende 11. Freundinnen  12. Neuer Anlauf  13. Beziehungsstress  14. Härtetest  15. Entscheidungen  16. Etwas Politik  17. Am Ende Weinen und Lachen  18. Düsseldorfer Delikatessen  19. Wandlung  20. Alles auf Anfang  21. Bewährungs-proben  22. Furioso 124 23. Sortieren von Gefühlen und anderem 132 24. Verwirrung 25. Befreiung  26. Neue Wege  27. Mutterliebe 28. Unbekanntes Terrain  29. Rettungsaktion1 30. Rettungsaktion2  31. Gefangen zwischen den Fronten  32. Erfolgreich zwischen den Fronten  33. Ein bittersüßer Glückwunsch  34. Prüfungen  35. Was denn nun noch?


Der Mutigen wachsen viele Hände

(Sabine Heilmann 2016)

 

2. Das Interview

Es gab gerade nichts zu tun. Kein Faden, an dem sie gezogen wurde - irgendwohin. Kein Zug kam in Sicht, auf den sie aufspringen musste. Niemand rief nach ihr. Nur das Leben, das Sein umfing sie wie eine Wolke und füllte sie aus. Es machte sie innerlich weit und leicht. Zudem fühlte sie sich kraftvoll - ohne die Kraft beweisen zu müssen. Sie konnte atmen, ohne sich Gedanken um die Konsequenzen zu machen. Es kam allein darauf an, ob sie atmen wollte und außerdem: wie sie es wollte.                                                  
Einige Tage zuvor hatte sie ein Interview gegeben. Es entpuppte sich, gelinde gesagt, als die einschneidendste Wendung ihres Lebens
. Sie wurde aus irgendeinem Anlass auf der Straße angehalten und zu ihrer Einstellung befragt. Dies brachte sie zuerst gehörig ins Wanken. Ein ganz ungeplantes Unterfangen bahnte sich da für sie an. Ihre Aufregung stieg. Sie begann zu stottern.  Der Interviewer, ein junger Journalist, schaffte es aber wunderbar, sie zu beruhigen. Durch seinen freundlichen Blick neben der ruhigen, sanften Stimme - die dennoch forschend klang - verhalf er ihr dazu, das Augenmerk auf dem Wesentlichen zu halten, sich zu konzentrieren.                           

Im Rahmen einer statistischen Erhebung fragte er unter anderem nach den schlimmsten Erfahrungen, die sie in ihrem Leben bisher gemacht hatte. Erst überrascht, nahm sie dies als willkommene Chance, einmal reinen Tisch zu machen. Sie begab sich in die Vergangenheit und veränderte sich dabei in eine frühere Person, denn ihr Gesicht verzerrte sich. Eigentlich hoffte sie, es endlich vergessen zu haben. Es begann unmittelbar nach ihrer Geburt: das Bestimmen der Anderen über ihr Wohlbefinden. Sie wurde in Stunden   eingeteilt, in unsägliche Zahlenmuster - in Termine fürs Überleben. Ihr Schreien wurde nicht erhört, wenn der Plan noch nicht soweit gediehen war, dass man ihn ohne Gewissensbisse hätte vernachlässigen können.                       „So war das eben früher!“, sprach die Eis-durchwirkte Stimme zu ihrem Opfer viele Jahre später. Es klang so lässig hingeworfen, so ohne Bedeutung. Was musste die Stimme selbst erlebt haben, um derartig viel Eis anzusetzen? Was konnte man dann noch von einer Welt erwarten, die einen schon beim ersten Überlebenskampf im Stich lässt? Woran sollte sie überhaupt Maß nehmen? An Eis und Kälte? Genauso fühlte es sich später an, den eigenen Kopf haltend - blutig geschlagen gegen von Anfang an geschlossene Türen. Dieses Muster wurde ihr regelmäßig sowie stückweise auf einem Silbertablett serviert. Wer hatte sich den perfiden Plan der Erweckung ausgedacht? Das Leben oder der Tod? Sie entschied sich dazu, dass im Zweifelsfall beides zusammenarbeitete. Das Wozu interessierte sie kaum. Sie war ja fortwährend mit dem Überleben beschäftigt gewesen. Deshalb glaubte sie ausschließlich an ihre eigene Kraft. Man warf ihr zunächst auch genügend verdauliche Brocken auf den Weg, sodass sie an den Erfolg und das Überwinden des Schreiens vor Todesangst glaubte. Sehr viel später wusste sie es besser: nach etlichen Trennungen, vielen Schreien, den unterschiedlichsten Auseinandersetzungen - bei denen sie um Verstehen und Vergebung warb - aber letztlich doch nur wieder schrie.                                                                        Überhaupt wurde sie immer mehr zum Flüchtling ihrer eigenen Geschichte, denn sie hatte begonnen, den Rückzug anzutreten.

 

So fragte sie sich erstmals, ob das vielleicht den wahren Sinn des schön-schrecklichen Spiels darstellte?  ...                                      

 

Der Journalist zeigte sich jetzt ein wenig ermüdet, senkte den Kopf. Er schien sich der Wucht und Monstrosität ihrer Schilderung ergeben zu wollen - nein: zu müssen. Schließlich schaute er um sich, dann auf seine Armbanduhr. Sich räuspernd sagte er: „Es tut mir leid. Ich habe nur eine halbe Stunde pro Interview zur Verfügung. Aber ich finde das persönlich sehr interessant, was Sie da erzählen. Ich würde Sie gerne wiedersehen. Was halten sie davon?“                                            Wie beschwörend blickte er ihr direkt in die braunen Augen. Tamara wusste nicht sogleich zu antworten. Blitzartig wurden eine Menge widersprüchlicher Gefühle in ihr wach. Ihr war nicht klar, wozu das gut sein sollte. Was genau wollte er von ihr? Ein weiteres Interview oder ganz etwas anderes? Mutig entschied sie sich, direkt zu fragen, denn er flößte ihr auf unergründliche Weise ein ungewohntes Vertrauen ein. „Oh nein, keine Sorge! Ich möchte gerne die Fortsetzung Ihres Lebens hören und - vor allem - von den guten Erfahrungen. Es scheint mir doch im Kern überaus wichtig für Ihre komplette Generation zu sein. Vielleicht kann daraus sogar ein Buch entstehen."       

Etwas leiser fügte er hinzu: „Es wäre auch für mich persönlich wichtig.“                                                                                       In Tamara hüpfte es eigenartig. Seine Worte, seine Stimme und seine Sprache fanden eine Resonanz in ihr. Also stimmte sie zu und verabredete sich zu einem Treffen in den nächsten Tagen. Er hieß Junus. Diesen Namen hatte sie, die meist Tam oder Tamy genannt wurde, noch nie gehört. Vielversprechend war zudem seine Erscheinung: stilvoll salopp gekleidet, recht attraktiv die blauen Augen sowie das dunkle Blond seines Schopfes. Endgültig schob sie aufkommende alte Gefühle - inklusive des üblichen Argwohns - von sich und freute sich stattdessen auf die neuerliche Begegnung 

3. Lebendig

Sie fielen förmlich übereinander her. Beide waren ausgehungert und geradezu begierig, weit in die Welt des Partners vorzudringen. Tamara zerriss Junus Hemd an der Knopfleiste. Es ging ihr nicht schnell genug, so heiß wie sie inzwischen auf körperlichen Kontakt war. Dieser junge Mann - so wunderbar stark und glatt. Sie konnte ihr Glück kaum fassen. Er hingegen sah sich geblendet von der atemberaubend temperamentvollen Tiefe, die er bei Tam spürte.  Er hatte genug davon vernommen, um sie gebührend bewundern zu können. Die Leidenschaft, die sie ihm jetzt entgegenbrachte, vermochte er ebenfalls nicht zu verachten.  Auch bei ihm war es ja schon eine Weile her, dass ihn Eine derartig anzog. Der junge Mann zeigte sich durchaus als der wählerische Typ und nur auf Delikatessen bedacht - erlebte er doch bereits länger das Vorbild seiner beiden älteren Freunde. Vielleicht war es ein wichtiger Hinweis des Schicksals für ihn gewesen, dass sie praktisch am Nebentisch saßen. ...

Diese Leseprobe bezieht sich auf eine vorhergehende Ausgabe und kann eventuell einige aktuell veränderte Textstellen beinhalten oder auch Rechtschreibfehler. Die Aussage des Inhalts entspricht aber der neusten Buchausgabe!

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