Das Buch - Lädchen
 

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Das Buch-Lädchen

 Leseprobe Krimi 3

Fall 5: Mord al dente, Kommissar Jacke in höherer Mission 

Fall 6: Der bewegungslose Mann, ein mörderischer November für den Kommissar

 

 ©Alle Rechte vorbehalten Sabine Heilmann 2017

 

Die folgenden Geschichten sind frei erfunden. Zufällige Übereinstimmungen mit den Namen von realen Personen sind nicht beabsichtigt.

 

Inhalt des fünften Falles: 1. Ein leichtes Spiel  2. Die Kommission 3. Gemeinsame Suche  4. Zweite Sitzung  5. Geistige Überlastungen  6. Spiel des Lebens  7. Basisarbeit  8. Der Flug         9. Vorbeugende Maßnahmen  10. Die Entdeckung  11. Die Höhle  12. Das Vermächtnis 13. Gruselkabinett  14. Am Ende und dann?  15. Epilog  • Anhang

 

1. Ein leichtes Spiel 

Die Nacht war wolkenlos, aber sehr dunkel, da der Neumond kurz bevor stand. Alles lief ruhig ab. Kein hektisches Durcheinander zum Ende hin. ‚Geordneter Rückzug‘ hätte man sagen können. Thorwald nannte es: gut durchdachte Strategie mit präzise ablaufendem Einsatz. Denn Strategie war nötig bei einem solch umfangreichen Personeneinsatz. Wenn man da nicht die Kontrolle behielt, dann Gnade einem Gott. So dachte Thorwald, auf seinem Posten beobachtend. Der befand sich etwas außerhalb des Geschehens und ermöglichte ihm den vollen Überblick. Diesmal waren sie auch besonders leise, was sonst nicht immer so gut klappte. Thorwald nahm sich vor, einen Extrabonus beim Boss herauszukitzeln. Nach vier reibungslos ausgeführten Aufträgen musste dieser inzwischen davon überzeugt sein, wie gut Thorwald sein Team im Griff hatte. Gerade wurden die letzten Kartons verstaut. Die voll beladenen LKWs, in den unterschiedlichsten Größen ausgewählt und mit den verschiedensten Nummernschildern aus etlichen Ländern versehen, standen nun vor ihm - zur Abfahrt bereit. Thorwald trat zu seinen Männern und erhob seine Stimme, damit ihn alle gut hören konnten.

„Alles klar, Jungs. Ab die Post! Wir sehen uns dann übermorgen am gewohnten Treffpunkt.“ Damit erntete er allgemein nickendes Zustimmen und Gemurmel. Thorwald drehte sich um und bestieg seinen eigenen, abseits parkenden Wagen - woraufhin sich die Menge sofort zerstreute. Jeder wusste nun, was er zu tun hatte, bis sie sich wieder treffen würden. Sie hatten vor, auf unterschiedlichen Wegen ihr Ziel zu erreichen: mal per Autobahn, mal per abgelegene Landstraße. Alle Fahrer führten gültige Bescheinigungen über die transportierten Waren mit sich, sodass sie ohne Probleme eventuelle Kontrollen überstehen konnten. Thorwald fuhr zufrieden ab und freute sich auf seinen wohlverdienten Urlaub, den er jetzt endlich antreten würde.

2. Die Kommission Hauptkommissar Manfred Jacke saß um 8:00 Uhr morgens an einem Dienstag im heißen Juli am Konferenztisch. Dieser war sehr groß, oval geschnitten und aus poliertem Nussbaum. Er stand in einem Saal, in dem die Akustik so gut war, dass man die Stimme kaum zu erheben brauchte, um überall Gehör zu finden. Jacke musterte die Gesichter der anderen Teilnehmer dieser außerplanmäßig angesetzten Besprechung. Es war das erste Mal, dass auch er daran teilnehmen durfte. Diese Sonderkommission bestand aus Ermittlern
des gehobenen Dienstes. Viele der Anwesenden kannte Jacke bereits. Etliche waren auch bei seinem letzten ‚Gruppenerlebnis‘, einer schwierigen Weiterbildung mit unangenehmem Ausgang, dabei gewesen. Diese lächelten ihm bei seinem Eintreffen nun aufmunternd zu. Der Leiter der Runde, Dr. Kanzer, stellte Jacke dann kurz vor als den Mann, der den Mord an dem allseits bekannten Dr. Grübler aufklärte. Allgemeine, anerkennende Akzeptanz machte sich breit. Danach war man sofort dazu übergegangen, sich dem wichtigen Thema des Tages anzunehmen. Seit einiger Zeit hatten sich in Süddeutschland besondere Diebstähle ereignet. Stets in der Nacht waren große Warenlager komplett ausgeräumt worden. Leise kamen sie und leise verschwanden sie auch wieder. Es gab weder Zeugen, noch irgendeinen Anhaltspunkt bisher. Keiner der Dezernate war bis zum jetzigen Zeitpunkt in den Ermittlungen alleine fündig geworden und so hatte man diese Sonderkommission gebildet. Nach und nach wurden die Fakten nun zusammengetragen. Das Fazit war einfach: eine geniale Bande, strategisch perfekt, nahezu unsichtbar. Der Schaden belief sich mittlerweile schon auf Höhen im Millionenbereich und würde unweigerlich noch steigen, falls man das nicht zu stoppen vermochte. Die Palette der ausgesuchten Waren gab auch nicht unbedingt einen erhellenden Hinweis, da es sich um anscheinend wahllos zusammengestellte Produkte des täglichen Lebens handelte. Der Anteil der teuren Gebrauchselektronik
daran hielt sich in erstaunlich geringem Umfang. Eher entscheidend war da wohl die Größe der ausgeräumten Lager: je größer, desto besser offensichtlich. Etliche Großhandelsunternehmen begannen bereits, ihre Sicherheitsmaßnahmen auf Anraten der Polizei drastisch zu verschärfen. Man konnte also darauf hoffen, spätestens beim nächsten Raubversuch, vereitelnd eingreifen zu können oder zumindest konkrete Fakten über die Täter zu erlangen. Hauptkommissar Jacke stieg ganz neu in diese Thematik mit ein. Da er dem Morddezernat angehörte, wunderte er sich zunehmend, warum er eigentlich hinzugezogen wurde. Aber diese Frage wollte er erst am Ende der Sitzung stellen. Jetzt konzentrierte er sich mit allen anderen Ermittlern auf die Sichtung der Portraits bekannter Schieberbanden. Man hatte da eine stattliche Anzahl von infrage kommenden Personen zusammengetragen. Aber mehr als zwei Drittel der Banden war kaltgestellt, was soviel bedeutete wie: entweder inhaftiert oder Verlagerung des Wirkungskreises ins fernere Ausland. Die restlichen wurden bereits überwacht, leider ohne Ergebnis bisher. Eigentlich blieben nur zwei potentielle Verdächtige übrig. Bei der ersten Bande handelte es sich um eine zusammengewürfelte Gruppe von Söldnern. Den Führer stellte ein Serbe und war schon lange bekannt. Diese Gruppe arbeitete so professionell, dass man bisher nur wenig über ihre Mitglieder oder Verbindungen wusste. Es schlug auch mehrfach fehl, einen V-Mann bei ihr unterzubringen. Man hatte also eher nur Gerüchte zur Hand, statt notwendiger Tatsachen.....

 

Inhalt des sechsten Falles:

 1. Introspektion1 2. Zwei Tage zuvor  3. Introspektion2                    4. Entscheidung 5. Introspektion3  6. Eine ungewöhnliche Nummer  7. Ich bin noch nicht das, was ich sein will  8. Überraschung              9. Ursachenforschung  10. Lebendige Regina  11. Hier endet das Sterben  12. Die Untersuchung

 1. Introspektion 1

Er saß nur da, ohne sich zu bewegen. Denn das schien jetzt außerhalb seines Vermögens zu liegen. Er rührte sich keinen Zentimeter, um die Stimmung des Augenblicks nicht zu verpassen. Schon lange hatte er es aufgegeben, in der Bewegung Hilfe zu suchen. Schon lange war er klüger als damals, ganz zu Anfang. Schon lange wollte er nicht mehr spüren, was er nicht loswerden konnte: das Leben. Sein Leben, wohlgemerkt, sein ganzes verkorkstes Leben. Immer wieder rollte es vor ihm ab, wie auf einer Leinwand sah er sich zu, dem Tun seines ganzen verkorksten Lebens. Er wartete. Immer wieder ertappte er sich beim Warten. Es war ihm recht. Die Bewegung hatte ja nicht geholfen, hatte nur alles aus ihm herausgezogen. Alles, was ihn ausmachte, hatte es aus ihm gesogen und ihn leer hinterlassen. Eine Hülle ohne Inhalt. Ohne Leben, ohne Tod. Das Letztere schließlich hatte er nicht zulassen können, noch nicht! Noch hatte er Aufgaben. Das Leben schien zu fordern: hol mich, aber ohne Bewegung. Nur mit namenloser Kraft wollte es gespürt werden, ohne Worte, ohne Zeichen, ohne Widerstand. Vielleicht war er dann dem lösenden Ende endlich näher? Kurz wagte er es zu hoffen. Und gab es gleich wieder auf. Er kannte seine Aufgaben. Er musste brav sein, alles ohne Widerworte schweigend erledigen. Dann hätte er Hoffnung. Jetzt kannte er plötzlich sein nächstes Ziel.
Hauptkommissar Manfred Jacke rannte den Flur entlang. Es war 2:30 Uhr in einer dunklen Nacht und er rannte um ein Leben. Nicht um sein eigenes, oder doch, auch um sein eigenes. Da seine Nerven zum Zerreißen gespannt waren, sein Herzschlag nur noch zu stolpern schien, wurde die Aktion auch irgendwie zu seinem Überlebenskampf. Wahllos begann er jetzt, die Türen rechter und linker Hand aufzuzerren. Nur, um in leere Räume zu blicken. Es schien ihn jedoch mehr anzustacheln. Schneller werden musste er, damit er vielleicht noch das Leben der Frau retten konnte. Weit hinter sich hörte er Feldkamp rufen - mittlerweile mindestens zwei Stockwerke unter sich. Der sollte doch lieber ruhig sein! Jacke fluchte leise. Gleich wäre er mit seiner Kraft am Ende. Es war schon das dritte Stockwerk mit diesen elend langen Fluren, das er absuchte. Wie viele hatte das Gebäude nochmal? Ach ja: sechs insgesamt. Jürgen sollte sich gefälligst beeilen, er war doch erheblich jünger, fast fünfzehn Jahre. Warum war er dann nicht schneller als sein alter Chef? Er verstand es nicht. Dieses Stockwerk war leer, die Treppe zum nächsten lag vor ihm. Mit dem Fuß auf der ersten Stufe hörte er einen Schrei, hoch und schrill. Ganz kurz hielt er inne, um zu lauschen, den Kopf ganz in Richtung des oberen Stockwerks gespannt. Erneut Stille und Manfred Jacke rannte weiter, immer zwei Stufen auf einmal nehmend. Er musste es schaffen, unbedingt! Falls es nicht schon längst zu spät war. Eine leise Stimme in ihm sagte: „Vergiss es, du schaffst es doch nicht.“ Die wollte aber nicht die inneren Treppen hoch, sondern blieb im Keller seines Unterbewusstseins. Gefangen gehalten auf immer? Jedenfalls schon sehr, sehr lange. Die Sieger-Stimme in ihm schrie: „Denk an die Frau. Sie darf nicht sterben. Es wäre schon wieder eine zu viel. Du kannst sie retten, aber es hat einen Preis: du musst jetzt über deine Grenzen gehen. Los, schneller, schneller!“ Jacke flog geradezu über den Flur, riss die Türen auf. Ebenfalls nichts und das nächste Stockwerk, das fünfte, war in Sichtweite. Die Treppe bekam Jacke nicht mehr bewusst mit. Er war schon oben, mit seinen Wünschen gleichauf, mit seiner Hoffnung gleichauf. Sie war doch noch so jung und so hübsch. Und sollte schon ein Opfer sein? ‚Nein‘, schrie es in ihm. Er würde es sich nie verzeihen, wenn er es nicht schaffte. In der Mitte des fünften Stockwerkes riss er eine der Türen der rechten Seite auf und sah sich einer zusammengekrümmten Gestalt auf dem nackten Betonboden eines leeren, kalten Zimmers gegenüber. Sonst nichts. Außer Blut, viel Blut. Ein Schluchzen entfuhr ihm. Von ganz tief innen brach es sich Bahn in seine Kehle. Der ganze Adrenalinschub fiel jäh in sich zusammen, so wie er jetzt auf die Knie vor dem scheinbar leblosen Bündel sank..


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