Das Buch - Lädchen
 

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Das Buch-Lädchen

 Leseprobe 

Das Mädchen im Schlossturm

eine fantastische Reise durch die Zeit

Diese Geschichte ist samt der in ihr verwendeten Namen

und Örtlichkeiten frei erfunden

©2017 - alle Rechte der Leseprobe vorbehalten Sabine Heilmann

Über die Autorinnen: Sabine Heilmann lebt unweit zweier Schlösser und liebt Fantasy sowie Märchen in passender Kulisse. Kamille Somér interessierte sich schon immer für Schlösser und Burgen und hat unzählige davon besucht.

Inhalt: 192 Seiten
1. Die Mauern der Faszination  2. Der Antrittsbesuch 3. Das Archiv 4. Das Schloss  5. Ernsthaftigkeit des Schicksals 6. Mühsame Recherchen  7. Das Gemälde  8. Der Turm  9. Gregor Gregorio  10. Die Auswirkung
11. Attila  12. Das Angebot 13. Der Streit 14. Das Abkommen 15. Anders als gedacht  16. Nirwana  17. Die Quelle  18. Endpunkt einer Reise  19. Baustelle des Lebens  20. Anstrengender Beginn  21. Alles in bester Ordnung?  22. Das Orakel  23. Eine neue Zeit bricht an 24. Schlosserei 25. Liebeswirren  26. Resümee  27. Abschied  • Epilog • Anhang, Register


1. Die Mauern der Faszination

Dieses eine Schloss faszinierte ihn bereits seit seiner Schulzeit. Viele Fotos und Broschüren konsumierte er bislang, genoss sie und schrieb sie innerlich nahezu ehern fest als eine zu ihm gehörige Größe. Leider aber und zu seiner selbst empfundenen Schande, begab er sich noch nie in eigener Person dort hin.
Dabei wohnte er neuerdings gerade mal hundert Kilometer entfernt von dem beeindruckenden Gemäuer. Ein Katzensprung und doch, wie es ihm bis zum gestrigen Tag schien: unzugänglich. Die Ursache dieser Unnahbarkeit war ein seltsames Gedankenmuster, welches sich in ihm, über Jahre hinweg, unbemerkt zu diesem Thema ausbreitete. Die Märchen seiner Kindheit taten das Ihre dazu und so …

Sein Vorstellungsvermögen rankte nämlich inzwischen höchst sonderbar und eigenmächtig - gleich einem unbezwingbaren Dornengeflecht - vor den ehrwürdigen Mauern. Das Schloss mutete bereits an wie eine absolut uneinnehmbare Festung. Sogar der Weg zu ihm verschwand in einem mysteriösen Nebel. Antinos Fantasie, eben unverrückbar fest verankert in jenen unzähligen Märchen und Träumen seiner Kindheit, in denen ein Schloss vorkam, spielte ihm nun einen Streich. Sie postulierte das Folgende eindringlich sowie vernunftbegabt: ‚Für den Fall, dass du dort hinfährst, es dir genauer anschaust, es begehst und ausleuchtest, wird es für immer seinen Nimbus verlieren. Du wirst dich verlieren! Willst du das wirklich riskieren?‘  Antino prustete vor Unbehagen und glättete unwirsch die braunen Locken in dem Versuch, den seltsamen Gedanken beizukommen, die ihm diesen Zwiespalt bewusst machten. ‚Nein‘, sagte er sich, ‚das will ich lieber nicht übers Knie brechen, habe jetzt sowieso keine Zeit!‘       
Schließlich plagten ihn genug andere Vorhaben im Moment. Auch die Familie zerrte an ihm wegen der sommerlichen Urlaubsplanung. Ein Schlossbesuch passte ihnen da gar nicht in den Kram.
In dieser Nacht folgte ein Traum, dann ein Anruf. Daraufhin entwickelte sich alles anders, als geplant. Es träumte Antino, der immerhin schon fünfundvierzig Jahre zählte, eine Mischung aus früher Erinnerung  und Märchen. So schien es ihm jedenfalls zunächst erfassbar. Wie in etlichen Träumen zuvor stellte das Schloss des dazumal erforschten Bilderbuchs auch dieses Mal eine pompöse Kulisse. Wie stets nach so einem Traum erwachte Antino wie gerädert. Wie stets bekam er das Gefühl, wirklich dort gewesen zu sein, es tatsächlich erlebt zu haben.                  Wie oft wollte er es nicht akzeptieren und versuchte stattdessen krampfhaft, richtig wach zu werden. Er schüttelte sich unter dem heißen Wasserstrahl der morgendlichen Dusche sogar heftig wie ein Tier, um das nächtens Erlebte endlich loszuwerden. Diesmal wollte es ihm jedoch gar nicht gelingen.
An diesem Arbeitstag kam er nicht vollständig im Büro an. Etwas von ihm blieb in einem Nebel hängen und bohrte dauernd in seinem Kopf - forderte Wahrnehmung, ließ ihn nicht fertig werden mit den anstehenden Aufgaben. An seinem Schreibtisch sitzend, starrte er immer wieder ins Leere - versuchte aufs Neue, jene bleierne Schwere seines Körpers und seines verhakten Denkens auszuloten. Das entpuppte sich als unnützes Unterfangen.
Da fiel sein Blick auf einen, neben der Tür angebrachten Abreißkalender. Er zeigte Mittwoch, den 3. März an. Das dazugehörige Bild: ein Schloss. Das Schloss! In der Folge erlebte sich Antino praktisch völlig unkonzentriert und nicht mehr in der Lage, die üblichen und routinierten Aufgaben abzuarbeiten. Die Traumbilder schoben sich in einem fort vor seine Augen und er kam sich vor wie ein Kleinkind, das noch nicht zwischen dem unterscheiden kann, was außen ist und dem, was innen ist. Seine inneren Wünsche und Strebungen bezüglich des Monumentalbaus erkämpften sich schließlich die Oberhand.

Da erreichte ihn der Anruf. „Antino Müller, Katasteramt Hohenbrück. Wie kann ich Ihnen behilflich sein?“, meldete er sich lakonisch. „Guten Tag. Hier spricht Lautan, der Assistent des Hauptarchivars von ‚Schloss Brückenstein‘.“ Es folgte eine kurze Pause, die wohl zum Zwecke der Ehrerbietung des besonderen Anrufes dienen sollte. Antino tat es prompt mit einem überraschten Atemzug und riss die grünen Augen auf. Sodann schilderte der Mann zügig sein Anliegen. Es waren Lücken hinsichtlich einiger Grundstücksbeschreibungen festgestellt worden, welche schon vor mehr als zweihundertsiebzig Jahren angelegt worden waren. Leider traten diese Lücken unlängst erst ganz zufällig zutage. Antino Müller erklärte sich bis dahin weder die Frage in ausreichendem Maße, noch die Möglichkeit seiner Hilfe, also erwiderte er etwas ungeduldig: „Was kann ich denn da tun? Bin ich doch gar nicht zuständig für!“ „Stimmt! Nicht direkt. Verzeihen Sie mir meinen Anruf an der Arbeitsstelle. Aber ich habe mir sagen lassen, Sie stellen so eine Art Fachmann für Altertümer dar und forschten auch gerne mal in vergessenen und ungewöhnlichen Archiven. So jemanden brauchen wir jetzt dringend. Uns ist nämlich das Fehlen dieser Dokumente völlig unerklärlich. Passt es Ihnen morgen gegen Abend? Ich komme zu Ihnen.“
Das, was nun folgte, gestaltete sich für Antino nicht eben leicht, obwohl er die Zusage innerhalb weniger Sekunden abgegeben hatte.
Nach dem Besuch Lautans am nächsten Abend beantragte er unvorhergesehenen Urlaub für eine Woche. Danach ließ er sich für drei Monate beurlauben und zog ohne großartige Erklärung ins ‚Schloss Brückenstein‘.
Seine Familie war dementsprechend vor den Kopf geschlagen und sah ihn für eine ganze Weile nicht mehr wieder.

3. Der Antrittsbesuch

Sodann führte ihn der Assistent zum Archivar. Während sie den Hauptgang zwischen den Tischen hindurchschritten, dachte Antino an das Bild, was ihm sofort zum Hauptarchivar eingefallen war. Es ähnelte einem Bildnis aus Kindertagen, welches er oft und gerne im Lieblingsmärchenbuch angesehen hatte.Dieser rundliche Mann hatte einen schwarzen Anzug mit schwarzer Fliege auf weißem Hemd getragen und einen Packen Bücher unter dem Arm. Er besaß einen Mittelscheitel in glatten, schwarzen Haaren und die Augen linsten fröhlich durch runde Augengläser hindurch. Ganz so, wie es eben für Kinder angebracht schien. Nun aber war er sehr neugierig auf den echten Archivar des Schlosses.
Kurz darauf erlebte sich Antino scharf von der Seite her angesprochen: »Aha, hier haben wir wohl den berühmten Antino Müller, Fachmann sondergleichen?« Ein ziemlich streng wirkender, spindeldürrer, bräunlich gewandeter Mann mit dünnem, verblasstem Haupthaar stellte sich ihm in den Weg. Er war einen Kopf größer als Antino, der sich mit seiner Länge
von 1,86 Metern eigentlich schon recht groß fühlte...

9. Gregor Gregorio

Antino erwachte im ersten Morgenlicht. Er befand sich an der gleichen Stelle, an der er sich am vergangenen Abend niedergesetzt hatte. Nur dass er jetzt zusammengerollt auf der Seite lag - vollständig durchgefroren und steif.   
Wieder dauerte es lange Minuten, bis er richtig zu sich kam und sich zu orientieren vermochte. Sein Blick fiel auf das Bild über sich und diesmal erinnerte er sich an die nächtliche Begegnung. Ebenso war es ihm bewusst, dass er im Traum Ferdinand, nicht Antino Müller hieß. Allerdings war er neuerlich fast so traurig wie dieser Unbekannte, der sich anscheinend zeit seines Lebens nach …

... Das Geschehen trug sich auch vor langer Zeit zu und war wirklich vorbei. Jedoch nahm er sich vor, ihre Spuren bis nach und in ... zu folgen, denn die Neugierde war geweckt. Es ließe sich doch sicher im Stammbaum erforschen. ...

...Beim Frühstück forderte Antino sogleich den netten Adrian auf, ihm Beistand bei der Suche nach Christinas weiterer Lebensgeschichte zu leisten. Er erzählte von seinem Traum und traf auf offene Ohren. Tragische Liebesgeschichten vermochten ja bei manch einem ein feinfühliges Feuer zu entfachen, so jetzt auch bei Herrn Lautan. …

...Gregorios Miene glättete sich schlagartig. Damit rechnete er zweifellos gar nicht. Sodann suchte er den passenden Band für den neugierigen Antino heraus mit der Maßgabe, ihm unbedingt von zukünftig träumerischen Entdeckungen zu berichten. Das versprach Antino gerne, würde er hinfort von der Strenge dieses sonderbaren Mannes verschont bleiben ...

Diese Leseprobe bezieht sich auf eine vorhergehende Ausgabe und kann eventuell einige aktuell veränderte Textstellen beinhalten oder auch Rechtschreibfehler. Die Aussage des Inhalts entspricht aber der neusten Buchausgabe!

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